Bibliothek 2.0 und mehr …

22. Oktober 2006

Besuch bei ExLibris Anmerkungen zu Teil 2: Erzeugt primo „Datensilos“?

Filed under: Bibliothek 2.0, Bibliothekssoftware — patrickd @ 19:54

Lambert Heller hat bereits ausführlich über unsere primo Diskussion berichtet. Jedoch gibt es einiges an Kommentaren die ich hinzuzufügen habe.

Nochmal kurz um Kontext. Lambert hat in seinem Beitrag „Folksonomies – das Gegenteil von Datensilos“ die Frage aufgeworfen in wie weit in primo mit bestehenden Folksomomie Systemzusammenarbeit bzw. ob das Taggen in primo dazu führt, das jede Bibliothek ihr eigenes Datensilo schafft, was sicher nicht im Sinne einer Bibliothek 2.0 ist.

Was ist primo?
Das grundsätzliche Konzept von primo ist die Pflege und Haltung von Daten zu trennen von ihrer Präsentation. Primo soll somit das „Frontend“ also die Web-Oberfläche für alle bibliothekarischen Systeme wie beispielsweise Katalog, eDoc Server oder lokalen Datenbanken bieten. In primo werden die Metadaten aus allen diesen System eingespielt zusammengeführt und für die Suche und Ausgabe normiert und indexiert. Zum indexieren wird standardmäßig Lucence verwendet, alternativ kann aber auch jede andere Suchmaschinentechnik wie beispielsweise die Fast Suchmaschine eingesetzt werden. All diese Daten werden in der Publishing Plattform gesammelt und können dort auch noch weiter angereichert werden zum Beispiel mit Buchcover von Amazone oder gescannten Inhaltsverzeichnissen. Weitere Möglichkeiten von Anreicherungen sind durch den Benutzer möglich, wie Reviews und sozial Tagging. Über ein Recomander-System (Empfehlungen wie bei Amazon) wird ebenfalls nachgedacht, hier ist man sich jedoch noch nicht sicher was man als Datengrundlage verwenden soll, allein durch Ausleihungen ist man sich einig wird man dies nicht bewerkstelligen können.

Lokale Tags oder nur globale Tags

Ich teile die Ansicht von Lamber Heller nicht, dass sinnlos ist einen unabhängigen Bereich für „lokale“ Tags zu schaffen und ausschließlich darauf zu setzen vorhandene Systeme einzubinden. Für den Anspruch, den Bibliotheken haben, kann die Trennung von einen globalen Bereich und einem lokalen Bereich durchaus Sinn machen. Was wir in der Diskussion vergessen hatten und mir im Nachhinein einfällt, ist dass wenn man einen solchen lokalen Bereich aufbaut man den Benutzern nicht nur einen Export in Connotea und andere Systeme anbieten sollte, sondern auch ein Import aus diesen Systemen in primo.

Nice to have

Ein weiterer Vorschlag von unserer Seite war das Exlibris den BibTeX Export unterstützen soll. Das BibTex Format war nahezu bekannt, so dass man auch diesen Tipp dankbar aufnehmen wird.

Ein Feature was besonders interessant klang war, dass man primo Suchen, die man gespeichert hat per RSS abonnieren kann.

Fazit

Insgesamt kann man sagen primo macht einen sehr interessanten Eindruck, jedoch wo viel Licht ist ist auch Schatten. Und dieser liegt wie so oft bei Bibliothekarischen Produkten im Preis. Primo wird kann je nach Größe der Bibliothek und Menge der einzubindenden Datenbanken und Kataloge zwischen 30.000 (Firmenbibliothek) und 700.000 € kosten. (Natürlich sind dies keine Festpreise, jedoch soll es hier nur um eine Größenordnung gehen. Der Preis für eine normale Universitätsbibliothek wird ungefähr bei 300.000 € liegen. Somit wird eine entschiedene Frage sein ob der Bibliothek diese Zusatzfunktionen soviel wert sind. Ebenso werden nicht alle Ideen sich direkt in Version 1.0 von primo umsetzen lassen. Es ist geplant das primo Ende des ersten Quartals 2007 in Produktion geht, diese Angabe ist aber wie alle Angaben zum Starttermin von Software mit der entsprechenden Vorsicht zu genießen.

Mein Fazit ist, dass Exlibris mit primo einen Trend erkannt hat und Bibliotheken die es sich leisten können, den Einstieg in die Bibliothek 2.0 Welt mit primo ermöglichen. Hier sei aber nochmals, wie schon zuvor darauf hingewiesen (und man kann es einfach nicht oft genug sagen) die Technik ist nur eine Komponente der Bibliothek 2.0, das Öffnen in den Köpfen der Bibliothekaren ist mindestens genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger. Ich freue mich drauf diese Entwicklung weiter zu bebachten.

5 Kommentare »

  1. Aus Sicht von Ex Libris war der Besuch von Patrick und Lambert sehr fruchtbar und höchst interessant. Wir freuen uns auf die Fortsetzung! Noch einige Anmerkungen zu Patricks Fazit: Ganz klares Ziel von Primo ist es, über die Bibliothek hinaus zu gehen. So reden wir bei Primo von einer institutionsweiten Lösung, die alle Datensilos, die auf einem Campus existieren, zusammenführen kann und soll. Es ist daher zu kurz gegriffen, sich lediglich auf die Erweiterung des Bibliotheks-OPACs zu beschränken. Das ist sicherlich der erste Schritt aber das Potential geht über diese „konventionelle“ Grenze weit hinaus. Unsere ersten Gespräche im Markt zeigen, dass gerade Campus-Lösungen ganz neue Bereiche und Möglichkeiten für Bibliotheken öffnen können. Es werden in der Tat von den die Bibliotheken tragenden Institutionen alle Varianten angedacht und eine Umsetzung ist sogar eher fördernswert aus Sicht der Institution, wenn der Mehrwert nicht nur an der Verhübschung des Bibliothekskatalogs gemessen werden soll. Für den OPAC stellt kaum eine Institution wirklich Fördergelder in ausreichendem Maße im Bibliotheksetat bereit. Bei übergreifenden Modellen sieht die Situation jedoch schlagartig anders aus. Auch dies hängt sicherlich mit dem Image vieler Bibliotheken innerhalb ihrer Institution zusammen. Viele Beispiele zeigen, dass auf der Institutions-Homepage der Bibliothekslink oft nur mit kriminalistischem Gespür gefunden wird. Das, finde ich, drückt den Stellenwert der Bibliothek oftmals treffend aus. Zu den genannten Preisen: Es gibt derzeit noch keine Preisstruktur für Primo bei Ex Libris. Bei dieser heterogenen Ausgangslage wird jedes Angebot höchst individuell ausfallen müssen, nämlich ob es nur lokale Bibliotheksdaten betrifft oder aber campusweit und darüber hinaus auch externe Daten in die eigene Publishing Plattform publiziert werden können. Die genannten Preise sind daher in der Tat aus der Hüfte geschossen und ich kann sie in der Form nicht bestätigen. Wichtig ist, dass der Unterschied nicht zwischen kleiner oder großer Bibliothek oder gar Verbundlösung zu suchen ist, sondern in welchem Umfang hier überhaupt Daten publiziert werden sollen. Auch eine an Volumen kleine Firmenbibliothek kann ein riesiger Information Broker sein oder eine große Universitätsbibliothek, die nur ihre OPAC-Daten publizieren will, kann sich in einem kleinen Segment bewegen.

    Kommentar von Jürgen Küssow — 23. Oktober 2006 @ 13:17

  2. Vielen Dank für den Kommentar, ich wollte auf keinen Fall eine Preisliste veröffentlichen (wie auch), jedoch finden viele Bibliothekare schon interessant in welcher Größenordnung sich so etwas bewegen wird, nur um diesen Punkt ging es mir und mehr nicht. Denn eine Komponente für den Erfolg liegt sicherlich im Preis.

    Auch wenn primo natürlich mehr ist als „nur der OPAC“, kann ich mir vorstellen, das trotzdem so manche Institution Probleme mit dem Preis bekommen wird.

    Denn seihen wir mal realistisch primo macht nur dann Sinn wenn ich einiges an Daten habe was ich Zusammenführen möchte. (OPAC, Metadaten der Nationallizenzen, Daten des Dokuemntenservers, …) Das sich wesentlich auf den Preis auswirken wird, je mehr ich mit dem Produkt erreichen möchte, ist nicht unproblematisch, vor allem weil vielleicht im Laufe der Zeit immer mehr hinzukommt und das Produkt somit immer teurer werden wird, oder?

    Gerade kleine Institution haben ein großes Interesse (eventuell nur fachspezisch) freie Resorcen zu verzeichnen. Werden sich dann aber nicht mehr als OPAC plus ein wenig mehr leisten können.

    Kommentar von patrickd — 23. Oktober 2006 @ 14:11

  3. Hallo Patrick, vielen Dank für deine Ergänzungen! Zum Absatz „Lokale Tags oder nur globale Tags“: Ich erkenne keinen Widerspruch zwischen unseren Positionen. Im Schlussabsatz meines Beitrags „Folksonomies – das Gegenteil von Datensilos“ war bereits auf den Nutzen lokaler Tag-Sammlungen hingewiesen worden; auch in Hamburg hatten wir dies bekräftigt.

    Kommentar von LH — 23. Oktober 2006 @ 17:31

  4. Hi Lambert,
    ja das stinmt, ich hatte auch das Gefühl in HH das wir einer Meinung waren. Jedoch machte dein Beitrag dies nach meinem Gefühl nicht nicht richtig deutlich. Gerade der Absatz:

    Kommentar von patrickd — 23. Oktober 2006 @ 18:45

  5. […] kritisiert. Aber ein lokaler Bereich hat eben durchaus seine Daseinsberechtigung, wie auch Patrick Danowski findet. Eine mögliche Alternative, die beides vereint und eine sehr gute Lösung sin könnte, schlägt […]

    Pingback von Öffentliche Social-Tagging Dienste in den Opac! « myBib Projekt-Blog — 14. Mai 2008 @ 17:52


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